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Depeschen mit dem Leitwort Tobias Gohlis

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Avaritia

Wertevolle Leserinnen und Leser,

lassen Sie uns kurz über etwas sprechen, worüber „man“ eigentlich nicht spricht: Geld. Kein Sorge: Die Krimi-Depeschen – und alle anderen Angebote im Netzwerk krimiblog.de – sind kostenlos und bleiben es auch. Wie es überhaupt eine prächtige Auswahl an deutschsprachigen Krimiblogs gibt.

Jeder Blogger geht dabei mit seinem jeweiligen Urheberrecht anders um. Die Blogs im Netzwerk von krimblog.de stehen zum Beispiel unter Creative Commons Lizenz. Sie dürfen also gerne zitieren, verwenden, verändern, weiterverbreiten, wenn Sie die Quelle nennen und sie dürfen es nicht in einem kommerziellen Umfeld tun.

Andere Blogbetreiber geben ganz klar an, dass ihre Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne Rücksprache und Erlaubnis weiter verbreitet werden dürfen. Völlig legitim. Wer eine geistige Leistung erbringt, soll und muss sagen, was er dafür bekommen möchte und wie damit umgegangen werden darf. Dennoch zitieren etwa die Krimi-Depeschen immer wieder aus fremden Blogs (und anderen Internetangeboten von Zeitungen, Radiosendern, TV-Stationen), um auf eben diese Blogs, diese Plattformen aufmerksam zu machen. Ich hoffe sehr, dass dies bei den Kolleginnen und Kollegen nicht auf Unmut stößt. Es handelt sich immer um Zitate, niemals um vollständige Texte oder fremde Bilder.

Die Zitate dienen dazu, Neugier auf die Texte in anderen Blogs zu wecken, sie zu verlinken, sie zu verbreiten. Das ist eine gängige Praxis in vielen Blogs – und es ist das Lebenselixier der Krimi-Depeschen. Das muss nicht jedem gefallen und ich bitte ausdrücklich darum, wenn jemand das nicht möchte, mich unverzüglich zu informieren. Immerhin gibt es die Krimi-Depeschen seit zwei Jahren und bislang hat sich noch niemand – kein Blog, keine Zeitung, kein Radiosender, keine Videoplattform – sich an diesen Zitaten gestört oder dafür gar ein Strafhonorar eingefordert. Ich möchte, dass dies so bleibt, und kann es mir auch gar nicht anders leisten.

500.- Euro Strafhonorar

Warum schreibe ich das? Gerne hätte ich heute zwei neue Blogs vermeldet. Der Krimikritiker Tobias Gohlis betreibt seit Kurzem ein eigenes Blog sowie ein Blog zu einer Tagung, die sich „Krimis machen“ nennt. Leider kann ich diese Blogs hier nicht verlinken. Das hat einen einfachen Grund. Herr Gohlis droht. Wer in das jeweilige Impressum seiner Blogs schaut, wird eine Passage finden, in dem jedem, der – auch nur auszugsweise – Texte aus diesen Blogs übernimmt, ein Strafhonorar von mindestens 500. – Euro angedroht wird, wenn er sich nicht vorher die Erlaubnis beim jeweiligen Urheber eingeholt hat. Selbst einfache Zitate also bitte nur mit Genehmigung vorab!

Das kann Herr Gohlis so halten. Mit einer lebendigen, unvoreingenommen und fairen Blogkultur und vernünftigen Kulturjournalismus hat dies allerdings gar nichts zu tun. Blogs leben davon, dass man sich gegenseitig verlinkt, zitiert, sich mit den Texten der anderen auseinandersetzt. Lobend, kritisch, möglichst fair und offen. 500.– Euro für einen zitierten Textschnipsel halte ich – bei allem Respekt vor der Leistung des jeweiligen Urhebers – nicht für fair, sondern für unverschämt. Wer glaubt, auf diese Art einen Diskurs zu unserem Lieblingsgenre führen zu können, der kann dies gerne so versuchen. Ich hoffe und wünsche allerdings, dass er damit scheitern wird – gerade in einer lebendigen und diskussionsfreudigen Blogkultur.

Lesereiches Wochenende mit vielen spannenden Blogs

Ihr
Krimiblogger
– Krimi-Depeschen-Dienststellenleiter –

»Man lasse sich von abgerundeten Ecken und anderen Weibchen-Signalen nicht täuschen, mit denen der Droemer-Verlag Grans masterpiece auf Kundinnenfang schickt.«

Vielleicht kann mir ja jemand von Euch erklären, warum abgerundete Buchecken, wie es sie bei der deutschen Übersetzung von Sara Grans hochgelobten Kriminalroman Claire DeWitt and the city of the dead (Die Stadt der Toten) gibt, „Weibchen-Signale“ sind? Tobias Gohlis hat sie in seiner Kritik bei zeit.de ausgemacht.

In fast jeder Besprechung zu diesem Buch wird über die Covergestaltung gemeckert. Auf die Idee, dass diese gerundeten Ecken und die durchaus gelungene Covergestaltung der ZERO Werbeagentur etwas mit dem Inhalt des Romans zu tun haben, kommen die Herren Kritiker offenbar nicht. Um im gleichen Klischeewasser zu schwimmen: typisch Kerl eben, subtiliere Signale sind nicht deren Sache. So befragt etwa die Hauptperson des Romans, Claire DeWitt, regelmäßig das I Ging und da spielt unter anderem auch die Lehre vom Yin und Yang eine Rolle. Gerundete Buchecken könnten da – meine unbescheidene Interpretation – als Referenz des Buchgestalters an den Inhalt zu verstehen sein.


Es ist Silvester, deshalb habe ich noch einen echten Knaller für Euch am letzten Tag des Jahres. Schalträger und Krimi-Fachkraft Tobias Gohlis blickt bei zeit.de auf das Jahr zurück. Ein Feuerwerk der falschen Grammatik, der schiefen Bilder und kurioser Absurditäten, prall gefüllt mit Feuilletonisten-Pathos. Hier einige Beispiele:

„Exquisite Kriminalliteratur ist international, muss es sein.“ – Das Kriminalliteratur, nee ist klar.

„Wird das Weltgeschehen unübersichtlich, rückt die Literatur vor.“ Wenn das die Merkel wüsste, würde sie mehr Literatur lesen, statt auf irgendwelchen Gipfeln die Welt retten.

„Skepsis gegen Ideologien und Mächtige ist das Rückgrat des Kriminalromans.“ Ist dies das erste Gebot aus der Krimibibel nach Wörtche?

„Vertrauen in den unbestechlichen, nachdenklich-forschenden Blick Einzelner und Misstrauen gegenüber dem äußeren Anschein bestimmen die investigativen Operationen.“ Legen Chirurgen das Messer im Dunkeln an oder was will mir dieser Satz sagen?

„In diesen Büchern sind die Dreckswinkel der schönen neuen Welt ausgeleuchtet, bis sie glühen.“ Ziemlicher Quatsch, es sind die Lampen, die leuchten und glühen und die die Dreckswinkel anstrahlen und ausleuchten. Über die Variante, dass die Bücher glühen, denke ich lieber gar nicht nach.

„Hier sind Töten und Sterben keine Thrillspender, auf die man drückt, wenn man den gräulichen Alltag wegspülen muss.“ Ach ja, der Thrillspender, wer kennt ihn nicht? Gibt es bei Aldi auf der Restrampe, bei Lidl verscherbeln sie ihn als „Spannungs-Dispenser“

„Verbrechen ist Leben.“ Meine Lieblingsphrase und eine gehaltvolle Worthülse.

Aber bevor ich jetzt weiter lache: Es ist ein ganz schlimmer Text. Nicht nur, weil hier ein angeblicher Krimiexperte rumschwurbelt, sondern auch, weil solcher Quatsch durch das Lektorat gewunken wird. Qualitätsjournalismus eben.