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Depeschen mit dem Leitwort Mittwochs-Depesche

Primadonna

Liebe Lesende, lieber Lesender,

ist es Zeit für eine neue Mittwochsdepesche? Möglicherweise, Sie entscheiden das natürlich selbst.
Ob Sie diese hier lesen?

Das Finden und Suchen von kriminalliterarischen Kleinodien ist für mich als Krimileser eine wahre Freude. Versteckte Texte, verborgene Bilder, verschwiegene Töne, all das finde ich auf nächtlichen Streifzügen durch dieses Internet.

Manche dieser Fundstücke bewegen mich, verändern mich und meine Wahrnehmung auf das, was wir Kriminalliteratur nennen. Flüchtig ist dies alles, und doch schön, dass manches sich wiederfindet. Wie die heute von mir vermeldete TV-Dokumentation von Denise Mina über Edgar Allan Poe. Ich mag das. Schönes Krimi-Fernsehen, gut erzählt von einer tollen Autorin. Soviel Überschwang billigen Sie mir doch zu, oder?

Meine Neigung zum Pathos mag Sie abschrecken, aber gelegentlich ist es notwendig, eine Diva zu sein. Eine Diva, die eben nicht alles tut, deren Arbeit wertvoll ist. Leider leben wir in Zeiten, in denen Diven nicht mehr gewertschätzt werden, in denen sie und ihre Exzentrizitäten als lästig, hinderlich abgetan werden. Dabei brauchen wir mehr davon in einer Zeit der Gleichmacherei und Beliebigkeit.

Männer schreiben über Frauen. Schreiben Frauen über Männer?

Überhaupt brauchen wir mehr Frauen. Schreibende Frauen. Krimischreibende Frauen. Ach, die gibt es ja schon. Die Denise Mina, die Gillian Flynn, die Christa Faust, die Megan Abbott, die Tana French, die Cathi Unsworth, die Sara Gran und viele, viele mehr. Aber auch die Ruth Rendell oder die P. D. James, diese großen Damen der englischsprachigen Kriminalliteratur. Und im Deutschen? Die Merle Kröger, die Christine Lehmann, die Monika Geier, die Anne Goldmann, die Nora Miedler. Tolle Autorinnen, tolle Frauen. Aber auf welche Männer treffen sie? Welche krimischreibenden Kerle würden denn diese Damen empfehlen, welche würden sie biographieren? Solche Ideen spuken in meinenm Kopf: kriminalliterarischschaffende Gegenwartsautorinnen über alte Meister. Hirngespinste. Oder würdet Ihr das machen, liebe krimischreibende Frauen?

All das auch in diesem Internet. Das ist nicht männlich, nicht weiblich. Es ist. Für viele immer noch ein Schrecken. Für mich mein drittliebster Ort. Ich bin so gerne hier. Egal, ob nun mit Männnern oder mit Frauen. Und wo sind Sie?

Ihnen kluge Gedanken an diesem MordsMittwoch. Und gute Diven-Begegnungen.

Ihr
Krimiblogger
– Krimi-Depeschen-Dienststellenleiter –

Liebe Lesende,

Online-Artikel lesen, Feeds auswerten, Krimiblogs absurfen – das ist seit über einem Jahr die (fast) tägliche Freude des Krimi-Depeschen-Dienststellenleiters. Interessante Krimi-Meldungen zu kuratieren benötigt den Blick eines Menschen, davon bin ich überzeugt. Roboter, so klug sie auch programmiert seien mögen, dürften da immer noch ihre Defizite haben. Dennoch können sie ergänzend vielleicht hilfreich, manchmal ärgerlich und gelegentlich lustig sein. Dafür gibt es seit einiger Zeit ja den Crime Fiction Daily und den täglichen Krimi bei paper.li. Was über Twitter begann, findet jetzt eine weitere Heimat bei den Krimi-Depeschen.

Auf den eigens eingerichteten Seiten Krimi-Depeschen | The Crime Fiction Daily (englischsprachige Ausgabe) und Krimi-Depeschen | Der tägliche Krimi (deutschsprachige Ausgabe) gibt es tagesaktuelle, automatisch generierte Krimi-Meldungen. Natürlich werden die Krimi-Depeschen mit ihrer feinen Auswahl weiter tickern, diese maschinengesteuerten Dienste sind als Ergänzung gedacht. Vielleicht mögen Sie ja mal reinschauen.

Wenn Sie übrigens dort auch einmal auftauchen möchten: Am einfachsten geht es über Ihren Twitter-Account, der sich mit dem Thema Krimi beschäftigen sollte. Selbstverständlich freue ich mich aber auch weiterhin über Link-Hinweise zu Artikeln, Kritiken und Porträts, die ich in den Krimi-Depeschen vermelden kann. Bitte schicken Sie mir einfach eine E-Mail.

Und sonst so? Die Mittwochs-Depesche geht mit dieser ersten Abendausgabe an den Start und soll – kurz, knapp, notizartig – auf die interessantesten Themen der letzten Tage hinweisen, eine Art persönlicher Lese-Digest des Krimi-Depeschen-Dienststellenleiters. Völlig uninteressant also.

Während sich die halbe LeseWelt auf der Frankfurter Buchmesse tummelt, bleibt der Krimi-Depeschen-Dienststellenleiter daheim und surft durchs Netz. Die wohl interessanteste Neuerscheinung der letzten Tage dürfte dabei der neue Roman von krimibloggers Liebling Dennis Lehane sein.

»Some years later, on a tugboat in the Gulf of Mexico, Joe Coughlin’s feet were placed in a tub of cement.«

Knallguter Einstiegssatz für eine Mafiageschichte, finde ich. Und da Lehane ein Unterhaltungsmeister ist, klettert Live by Night ganz nach oben auf dem persönlichen zu-lesen-Stapel.

Dort liegt ebenfalls und immer noch Gillian Flynns Gone Girl, ein hochgelobter, psychologischer Thriller über das Verschwinden einer jungen Ehefrau und den Geheimnissen ihres Ehemannes. Bereits im Mai 2012 erschienen, war er einer der Titel des Sommers – wird also Zeit, ihn zu lesen. Die deutsche Übersetzung konnte ich noch nicht entdecken.

Außerdem natürlich wichtig: Die Bouchercon Convention 2012 in Cleveland. Von außen wirkt das wie ein freundliches Familientreffen zwischen Autoren, Lesern und Kritikern. Ach ja, in deutschen Landen ist das ja eher unerwünscht.

Der aktuelle Lektürestatus ist sträflich und der Mittwoch neigt sich ja auch schon dem Ende entgegen. Ab ans Buch.

Lesen Sie wohl!