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Depeschen mit dem Leitwort Mark Billingham

Killer & Co.: 'Die Lügen der anderen' von Mark Billingham
»Klassische Krimifreunde kommen aber nicht erst da auf ihr Kosten. Und Liebhaber psychologisch ausgefeilter, teils auch etwas maliziöser Charakterdarstellungen werden Die Lügen der anderen eh schon längst in ihren Bann gezogen haben.«
— Hans Jörg Wangner

Klassische Whodunit-Anlage: Eine klare Empfehlung für den Roman Die Lügen der anderen von Mark Billingham, wohl formuliert in der Kolumne Killer & Co. bei der Stuttgarter Zeitung von Hans Jörg Wangner.

Krimis des Monats bei Spiegel Online
»Billingham braucht keine Gewalt und keine zerstückelten Leichen, um Spannung zu erzeugen. Er streut den Argwohn so wohldosiert in die Szenen wie die Pärchen die Gewürze über das Essen, das sie sich gegenseitig in ihren stilbewusst eingerichteten Wohnzimmern servieren, mit denen sie sich zu beeindrucken hoffen.«
— Maren Keller

»Das Buch ist spannend, ein echter Krimi. Die dafür erforderlichen Morde sind bestialisch – wie der deutsche Titel schon offenbart, das italienische Original heißt, hintergründiger, Der Traum vom Fliegen -, aber es geht dem Autor um mehr.«
— Hans-Jürgen Schlamp

»Auch wenn die Geschichte, wie es der Noir-Tradition entspricht, auf eine Katastrophe hinauslaufen muss, entlässt uns Nic Pizzolatto zwar unendlich traurig aus Galveston, aber nicht völlig ohne Hoffnung.«
— Marcus Müntefering

Drei neue Krimis in der kritischen Begutachtung: Maren Keller bespricht Die Lügen der Anderen von Mark Billingham, Hans-Jürgen Schlamp hat Bestie von Carlo Lucarelli gelesen und Marcus Müntefering urteilt über Galveston von Nic Pizzolatto. Alle drei Kritiken gibt es bei spiegel.de.

Isabel Allende

»And I realized I cannot write that kind of book. It’s too gruesome, too violent, too dark; there’s no redemption there. And the characters are just awful. Bad people. Very entertaining, but really bad people. So I thought, I will take the genre, write a mystery that is faithful to the formula and to what the readers expect, but it is a joke. My sleuth will not be this handsome detective or journalist or policeman or whatever. It will be a young, 16-year-old nerd. My female protagonist will not be this promiscuous, beautiful, dark-haired, thin lady. It will be a plump, blond, healer, and so forth.«

Isabel Allende

»It’s great to see the crime-writing community rising up in its own defence. (…) For years we’ve been the butt of ignorant prejudice from the literary genre and we’ve taken it on the chin, muttering in corners and up our sleeves about how misunderstood we are. But clearly we’re not going to stand for it any longer. The great thing about this backlash is that it’s coming from readers as well as writers – it can’t just be written off as wounded amour propre. (Is that a bit too literary? Using French?) «

Val McDermid

Es sollte eigentlich nur ein Witz sein: Die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende legte mit ihrem neuen Roman El Juego de Ripper (englische Übersetzung unter dem Titel Ripper, den spanischen Titel könnte man mit Das Spiel des Rippers übersetzen) ihren ersten Krimi vor. Allerdings wollte sie ihr neueste Werk, wie sie in einem Interview mit npr.org sagte, ironisch verstanden wissen, denn – siehe das Zitat oben – eigentlich mag sie keine Krimis und Thriller.

Vielleicht ist das nur eine schlechte Marketing-Idee – Autorin schreibt in einem Genre, das sie eigentlich nicht mag, das muss sich ja verkaufen – vielleicht ist ihr Roman durchaus als ironischer Bruch des Genre Krimis zu sehen.

Kaum waren die Äußerungen von Isabel Allende veröffentlicht, schon rührte sich reflexartig Kritik in der Krimiszene. Die schottische Autorin Val McDermid kritisierte in einem Artikel beim Guardian ihre schreibende Kollegin und kehrte einmal mehr das Bild des Krimis als literarisches Schmuddelkind hervor, ebenso wie ihr Kollege Mark Billingham. Auch die Bloggerin Erin Mitchell wirft Allende snobistischen Elitarismus vor.

Diesen wiederum konnte ich in dem Interview mit Isabel Allende nicht erkennen. Sie mag das Genre nicht, sie versucht es ironisch zu brechen. Ob ihr das gelungen ist, kann ich ohne Lektüre des Buches nicht sagen. Grundsätzlich halte ich es aber für völlig legitim, mit einem Genre, dass sie nicht mag, zu brechen. Und sie wäre nicht die erste: Erinnert sei an dieser Stelle an den wunderbaren und viel zu früh verstorbenen Gilbert Adair, der in seiner Evadne Mount Trilogie arg böse mit Agatha Christie, den ästhetischen und inhaltlichen Regeln der Kriminallieratur ins Gericht geht, obwohl er diese Art des Krimis immerhin wertschätzte. Allein die neuen, vor allem blutrünstigen Killerschmonzetten waren Mr. Adair ein Gräuel.

Wozu also die Aufregung? Fallen hier ein paar Autoren auf den Marketing-Trick ihrer Kollegin herein? Oder fehlt ihnen als Krimiautoren schlichtweg das Selbstbewusstsein? Das Schmuddelkinder-Image sollte gute Kriminalliteratur längst hinter sich gelassen haben.

Foto: Mutari via Wikipedia