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Depeschen aus der Abteilung Miststück

»Wie soll ein Verleger, der selbst die Grenze zwischen E und U einreißt, seine Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe in ihrem kompromisslosen Weg bestärken? Oder glaubwürdig gegen die Kommerzialisierung des Buchhandels zu Felde ziehen?«

Richard Kämmerlings träumt bei welt.de in seiner “Besprechung” des “Soft Crime”-Titels Bretonische Verhältnisse: Ein Fall für Kommissar Dupin des bislang unbekannten Autors Jean-Luc Bannalec immer noch von einer Feuilleton-Welt (übles Wortspiel von mir) der sauberen E-Literatur und der schmutzigen, weil kommerziellen, U-Literatur.

Der hundsmiserable Krimi, der auf der frankophilen Welle à la Martin Walker mitschwimmen möchte (und es wohl auch erfolgreich tut), bietet Kämmerlings die Projektionsfläche für eine wilde Spekulation, ob sich hinter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec womöglich der Verleger Jörg Bong (S. Fischer Verlag) verbirgt. Gleichzeitig fürchtet er aber, dass ein krimischreibender Verleger der Kommerzialisierung des Buchhandels (!) nicht mehr glaubwürdig entgegentreten kann.

Habe ich da etwas nicht richtig verstanden? Verleger, Buchhändler und Autoren leben – gelegentlich – vom bösen Kommerz und womöglich auch von schlechten Krimis. Erschreckender als diese eigenwillige Sicht auf das Verlagswesen ist aber die Unfähigkeit Kämmerlings, diesen schlechten Krimi einzuordnen. Da werden fremde Kritikerstimmen bemüht, da wird von “Derrick-Dialogen” geschwafelt und ein “unbescheidener Anspielungshorizont” bei dem Ermittler-Namen Dupin ausgemacht. Das ist kein Horizont, das ist platt und zwar sowohl im besprochenen Primärtext wie auch in der “Kritik”, die hier deutlich auf diese Plattheit hätte hinweisen könnten.

Ein – bescheidenes – Mittel gegen schlechte Krimis wäre eine fundierte Krimi-Kritik. Und genau dieses Einreißen der E- und U-Literatur-Grenzen. Gute Literatur braucht solche Grenzen nicht. Stattdessen ergeht sich Kämmerlings in boulevardesken Spekulationen über den Autor. Kriminalliteratur ist eben dann doch mehr als das kurze Glück der Gegenwart. Man müsste sich nur mit ihr beschäftigen.