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Kuratierte Notizen & Neuigkeiten zur Kriminalliteratur | A sheet of notes & news about crime fiction

Depeschen aus der Abteilung Grundrauschen

Death Dance von Robert & George Cruikshank

Hin, her, ja, nein, Kopfschütteln, Klatschen. Spontane Reaktionen auf diesen Text von Stefan Mesch. Bei SteglitzMind beantwortet er die Frage: Sind bibliophile Blogger Nostalgiker? Hin, her, ja, nein, Kopfschütteln, Klatschen.

Zunächst: Danke für diesen Text und ich hoffe, Gesine von Prittwitz nimmt es mir nicht übel, dass ich nicht direkt bei ihr im Blog antworte, sondern das tue, was Blogger – egal ob nun bibliophil oder nicht, ob Nostalgiker oder nicht – viel öfters tun sollten: Diskussionen und Gedanken weitertragen in ihre eigenen Blogs. Denn da warten womöglich noch ganz andere Leserinnen und Leser, die darüber etwas lesen möchten.

»Bücher waren und sind meine Verbündeten gegen die Dummheiten der Welt.«

Möchtet Ihr? Falls nicht, klicke jetzt bitte weiter, wenn ja, erlaubt mir ein paar Erwiderungen zu dem Text von Stefan Mesch, der sich so wunderbar offen und unabgeschlossen liest, der Meinung bezieht und doch andere Betrachtungen zulässt. Das allein lohnt die Lektüre des Textes, der mich – einer möglichen Definition von nostalgisch folgend – in meine Vergangenheit zurück versetzt.

»Totes Kapital!« – so schimpfte meine Mutter in meinen Jugendjahren, wenn ich mal wieder mit Büchern nach Hause kam. In meinem Elternhaus, einem Arbeiterhaushalt auf dem Lande, wurde nicht viel von Büchern gehalten. »Bücher bringen Aufstieg, bessere Chancen. Bücher bringen Klassenmobilität.« So beschreibt Mesch die Haltung des Bildungsbürgertums, die mir als Jugendlicher so madig gemacht wurde. Ich musste mir diesen Aufstieg erkämpfen – für und mit Büchern. Ich musste sie verteidigen gegen all die praktischen Dinge, die so viel wichtiger sein sollten: Führerschein, Garten, Haus, handwerkliche Ausbildung. Bücher waren und sind meine Verbündeten gegen die Dummheiten der Welt, sie sind meine Mitstreiter für gute Ideen und die Freunde, bei denen ich in der seelischen und in der körperlichen Not Zuflucht finde. Pathetisch? Mag sein, aber während ich das gerade geschrieben habe, merkte ich einmal mehr, wie viel mir Bücher bedeuten und wie ich sie liebe, selbst die, die nicht liebenswürdig sind. Nennt es von mir aus Pathos, ich nenne es aufrichtig.

Bücher sind »Empathy Machines«, auch wenn das nicht John Updike gesagt hat und wenn damit Filme statt Bücher gemeint sind. Bücher sind »Einfühlungs-Maschinen«? Für mich sind sie Fluchtpunkte, sie belehren Dich, sie erziehen Dich, sie geben Dir Sicherheit und vor allem bilden sie Dich und Deine Persönlichkeit. Sie machen Dich aus. Das mag in manchen Kreisen – beachtet bitte den Widerspruch für eine Gesellschaft, die von sich behauptet, sie sei eine »Wissensgesellschaft« – nicht mehr opportun sein, es ist womöglich nicht wirtschaftlich. Bücher fressen Zeit, und die kann man doch nun wirklich sinnvoller nutzen. Womit und wofür? Steht dahinter nicht die viel wichtigere Frage: Was macht uns glücklich?

Mir ist es so zuwider, wenn all unser Handeln nach Wirtschaftlichkeit befragt wird – vor allem das, was wir in unserer freien Zeit tun. Lesen ist demnach wohl nur sinnvoll, um die schwächelnde Verlagsbranche am Leben zu halten. Nein, das ist – liebe Autoren, Verlage, Buchhändler, seht es mir bitte nach – nicht mein Anliegen, wobei ich den meisten von Euch einen großen, wirtschaftlichen Erfolg wünsche. Aber: Das Lesen ist mir selbst genug. Es hat für mich keinen wirtschaftlichen Zweck.

Natürlich sind für andere Menschen andere Medien oder Beschäftigungen wichtiger und prägender. Wenn jemand die Kraft in und durch Filme fühlt, die ich durch Bücher spüre, dann ist das wunderbar und ich freue mich für ihn. Wenn jemand beides mag – fabelhaft! Wenn für jemanden Musik lebensnotwenig ist – hervorragend! Jedem Menschen das Medium, die Beschäftigung, die Zeit, die Orte, die zu seiner Persönlichkeit gehören. Freiheit. Für mich sind es Bücher, für mich ist es auch die Musik. Zu solchen Einstellungen führen Bücher. Wenn Stefan Mesch schreibt, dass Leser/Buchliebhaber Grund-Geduld, Toleranz und Offenheit brauchen, dann stimmt das. Aber mir ist hier die Kausalität wichtig: Bücher helfen dabei, diese Geduld, Toleranz und Offenheit zu erlangen und zu erlernen.

Bin ich ein Nostalgiker? »Bei “Nostalgikern” denke ich an starre Genre-Formate und Immer-das-selbe-Muster-Zeug wie Monk. An Sitcoms. An simple, feste Spiele. An Gartenbau. An Puzzles. An einen starken, verlässlichen, ordentlichen Rahmen, der vor Veränderungen und Zumutungen schützt.« schreibt Stefan Mesch. Ja, da mag durchaus etwas dran sein. Gerade ich als Krimileser kann durchaus Freude an den Variationen eines alten, bekannten Themas haben. Das kennen wir aus der Musik: Variationen über ein Thema. So erscheinen mir mache Krimis als Spielarten des gleichen Themas. Viele dieser Krimis sind einfach schlecht geschrieben, aber eine intelligente, spielerische Variation eines alten »Who done it?« kann für mich spannend sein. Siehe etwa Gilbert Adair. Und sie sind Schutzpunkte. Wenn alles um mich herum zusammenstürzt, dann lese ich Agatha Christie. Oder Dorothy L. Sayers. Oder andere Klassiker des »goldenen Zeitalters«. Weil sie die zweitschönste Lüge des Lebens bereithalten: Alles wird wieder gut.

»Bücher beherbergen diese Erinnerung.«

Eine »wehmütige Hinwendung zu vergangenen Zeiten« nennt die Wikipedia die Nostalgie, oft einhergehend mit einer Verklärung der Vergangenheit. Wehmut. Sind bibliophile Blogger wehmütig? Ich bin es, gelegentlich. Ich finde das menschlich. Wenn um Dich herum Menschen sterben, wenn Du merkst, dass Dein eigenes Leben endlich ist, dann ist es die Erinnerung, die mir bleibt. Die mag mal verklärt, mal getrübt sein. Aber sie ist notwendig um in der Gegenwart zu überleben. Bücher helfen mir dabei. Bücher beherbergen diese Erinnerung. Zu den schlimmsten Erfahrungen von Demenzkranken gehört, wenn sie merken, dass ihre Erinnerungen, ihr bisheriges Leben erlöschen, verschwinden. Das muss furchtbar sein. Ich weiß nicht, in wie weit Bücher da helfen, ich bin kein Mediziner. Aber ich wünsche es mir.

»Es gibt vielleicht keine Tage unserer Kindheit, die wir so voll erlebt haben wie jene, die wir glaubten verstreichen zu lassen, ohne sie zu erleben, jene nämlich, die wir mit einem Lieblingsbuch verbracht haben.« Das schrieb Marcel Proust in seinem Essay Tage des Lesens. Es ist der Satz, das Motiv meines Leserlebens. Es ist meine Hoffnung.

Abbildung: Death’s Dance von Robert & George Cruikshank

Blogger schenken Lesefreude

Liebe Lesende,

am Welttag des Buches haben auch die Krimi-Depeschen an der schönen Aktion “Blogger schenken Lesefreude” teilgenommen. Was verlost wurde steht hier. 24 Leserinnen und Leser haben teilgenommen, gerne würde ich allen ein Exemplar von Books To Die For verschenken, habe aber leider nur ein Exemplar. Und die glückliche Gewinnerin heißt Elvira M.

Dir, liebe Elvira, herzlichen Glückwunsch, eine E-Mail ist an Dich unterwegs. Bei allen, die teilgenommen haben, möchte ich mich herzlich bedanken. Ich hoffe, es gibt bald wieder eine Verlosung hier bei den Krimi-Depeschen.

Chase of Meteor
Werte Leserinnen, werte Leser,
familiäre Verpflichtungen rufen den Krimi-Depeschen-Dienststellenleiter aufs Land. Mit modernsten Fortbewegungsmitteln begibt er sich deshalb einmal mehr dorthin, wo sich Bits und Bytes gute Nacht sagen und eher selten anzutreffen sind.

Sie wissen natürlich, was dies für die nächsten Tage bedeutet: Linkreiche Empfehlungen könnte es gelegentlich bei Facebook und Twitter geben. Auch bei Google+ könnte es einen Hinweis geben.

Es bleibt knallbunt und zwar bei Pintrest. The Crime Fiction Daily und Der tägliche Krimi versorgen Sie zuverlässig und wie durch Zauberhand mit Neuigkeiten aus der englischsprachigen und der deutschsprachigen Krimiwelt.

Und wer es ganz genau wissen möchte – die Seelenzustandsmeldungen bei Tage des Lesens geben Auskunft über den Verbleib des Krimi-Depeschen-Dienststellenleiters.

Wenn nichts dazwischen kommt, dann tickern ab dem 6. Mai 2013 die Krimi-Depeschen wieder.

Ihnen wonnige Bücher im Wonnemonat Mai. Und noch ein Anliegen: Bitte bleiben Sie mir gewogen!

Auf baldiges Wiederlesen
der krimiblogger
- Krimi-Depeschen-Dienststellenleiter -

Es gibt Neuigkeiten von den Kronberg Crimes: Wie Autorin Annelie Wendeberg am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, hat sich der Verlag Kiepenheuer & Witsch die Rechte an der deutschen Ausgabe von The Devil’s Grin gesichert. Der Verlag wird zudem ihre IndieGoGo Kampagne finanziell unterstützen.

Ich gratuliere Annelie ganz herzlich und freue mich, dass ihre eher ungewöhnlichen Wege, ihr Buch zu veröffentlichen, zu solchen Ergebnissen führt.

Blogger schenken Lesefreude

Liebe Lesende,

der 23. April ist für uns ein besonderer Tag, denn es ist der Welttag des Buches. Dazu habe zwei Bloggerinnen in diesem Jahr eine, wie ich finde, schöne Aktion gestartet, an denen sich die Krimi-Depeschen sehr gerne beteiligen. “Blogger schenken Lesefreude” heißt diese Aktion. Dabei verschenken alle teilnehmenden Blogs ein Buch an die Blogleser. Mehr zu dieser Aktion findet Ihr auf der Facebook-Seite zur Aktion.

Bei den Krimi-Depeschen wird dieses Buch verlost und verschenkt:

Books To Die For

Es ist die englischsprachige Anthologie Books To Die For: The World’s Greatest Mystery Writers on the World’s Greatest Mystery Novels, herausgegeben von Declan Burke und John Connolly.

In diesem Buch stellen 120 Krimiautorinnen und Krimiautoren ihren Lieblingskrimi vor. Ein wahrer Schmöker, in dem Sie alte Bekannte treffen werden, aber womöglich auch spannende Begegnungen mit Kriminalromanen haben werden, die Ihnen bislang vielleicht unbekannt waren. Welchen Klassiker empfiehlt Sara Paretsky? Welche Bedeutung hatte Dashiell Hammett für David Peace? Und welche Rolle spielten das Kino und Jim Thompsons Roman Pop. 1280 für die schriftstellerische Karriere von Jo Nesbø? Diese und viele weitere Fragen, Querverbindungen und Literaturgeschichten werden in Books To Die For geklärt.

Kurz: Eine lesenswerte Anthologie für Krimifans und solche, die neue und alte Kriminalliteratur entdecken möchten!

Wer gewinnt? Am 30. April geht es weiter

Bitte beachten: Die Verlosung ist mit dem Welttag des Buches beendet. Über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mitgemacht, vielen Dank Euch allen! Jetzt entscheidet das Los und die Gewinnerin oder der Gewinner wird am kommenden Dienstag, den 30. April hier bei den Krimi-Depeschen bekannt gegeben.

Der Krimi-Depeschen-Dienststellenleiter drückt die Daumen!

Im Rahmen der Criminale sind am Samstag, den 20. April 2013, die diesjährigen Preisträger des Friedrich-Glauser-Preises sowie des Hansjörg-Martin-Preises bekanntgegeben worden.
Es wurden ausgezeichnet:

  • Sparte Roman: Kriegsgebiete von Roland Spranger
  • Sparte Debüt: Tödliche Fortsetzung von Marc-Oliver Bischoff
  • Sparte Kurzkrimis: Hackfleisch von Regina Schleheck
  • Hansjörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkrimipreis): Elefanten sieht man nicht von Susan Kreller
  • Friedrich-Glauser-Ehrenpreis 2013: Gunter Gerlach

Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Büchern und Autoren sowie die Begründungen der Jury finden Sie auf der Homepage des Syndikats.

Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträger!

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When Dickens met Dostojewski

Es ist eines der großen Rätsel der Literaturgeschichte. Haben sich Charles John Huffam Dickens und Fëdor Michajlovič Dostoevskij 1862 in London getroffen? Auf Facebook kennen sie sich immerhin. Aber gab es auch einen Brief von Dostoevskij, in dem dieser über seine Begegnung mit Dickens berichtet und die zwei Seelen seines Dichterkollegen offen legt? Ein “Literaturkrimi” der besonderen Art, der einmal mehr zeigt, wie sinnvoll es ist, Kriminalliteratur zu lesen. Denn Eric Naiman, der den Fall in seinem Artikel When Dickens met Dostoevsky haarscharf und sehr unterhaltsam aufdeckt, schreibt:

»The article in the Dickensian had no loose ends at which one could tug. If the editors of the Dickensian were unwilling to track Stephanie Harvey down, how might someone else do it? Having read my share of crime fiction, I suspected that the hoax in the Dickensian might not be her first scholarly crime. Perhaps at an earlier stage she would not have been so careful?«

Wer also ist Stephanie Harvey, was hat es mit der mysteriösen Zeitschriftenquelle Vedomosti Akademii Nauk Kazakskoi SSR: Institut Istorii, Filologii i Filosofii vol.45 (Alma Ata 1987), pp.49–55 at 53–4 auf sich und wie leichtgläubig sind Literaturwissenschaftler?

Dies und mehr in der wunderbaren Geschichte, zu lesen bei The Times Literary Supplement.

+ high-res version

William S. Burroughs Deichtorhallen

Ausstellung | William S. Burroughs Retrospektive

Marisa Buovolo berichtet bei der Neuen Zürcher Zeitung unter dem Titel Grenzgänger in bürgerlicher Kleidung über die Ausstellung William S. Burroughs Retrospektive in Hamburg. Die Ausstellung läuft vom 16. März bis zum 18. August 2013 bei der Sammlung Falckenberg in Harburg.

Die Ausstellung kann nur im Rahmen von Führungen besucht werden. Termine und Buchung unter www.sammlung-falckenberg.de/besuch oder telefonisch unter 040 32 50 67 62.