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Fragen am Samstag. Dieses muntere Blogstückchen über Harriet Klausner wirft solche auf. Ältere Netzbewohner unter uns werden sich an diesen Namen sicher erinnern: Harriet Klausner war für lange Zeit auf Platz 1 der Top-Rezensenten bei amazon.com und hat dort 28.100 Kritiken verfasst, so war es jedenfalls heute morgen zu lesen.

Für ihre durchweg positiven Buchbesprechungen – Verrisse veröffentlicht sie bei amazon.com nicht – musste sie immer wieder Kritik einstecken. So viele Bücher könne keiner lesen, lautet ein Vorwurf. Nun kommen weitere hinzu. So verheimliche sie in ihren Besprechungen bei amazon.com, dass sie Lese- bzw. Rezensionsexemplare von den Verlagen erhalte und das sie diese auch noch weiterverkaufe.

Unabhängig von Harriet Klausner, die ich übrigens als eine sehr kluge Frau auf der E-Mail-Liste DorothyL vor vielen Jahren erleben durfte, stellen sich für mich Fragen, die ich gerne weitergebe.

1. Frage Sollten Kritiker in einer kurzen Offenlegung (disclosure) angeben, dass sie die besprochenen Bücher als Lese-/Rezensionsexemplare vom Verlag erhalten haben? Viele Blogger tun das übrigens schon.

2. Frage Und darf man Lese-/Rezensionsexemplare weiterverkaufen?

Erkenntnisreichen Samstag.

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Kommentare & Reaktionen

7 Kommentare

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  1. Oktober 13, 2012

    Eine Samstags-Depesche: Mit Fragen zu Harriet Klausner und der Offenlegung der Rezensenten. Schönes Denken.
    http://t.co/k5Tk7uO4

  2. dpr #
    Oktober 13, 2012

    1. Frage: Nö, wieso? Ist doch der Normalfall, dass Rezensenten Rezensionsexemplare kriegen, oder?
    2. Frage: Darf man eigentlich nicht… hab ich auch noch nie gemacht. Verschenken tu ich gerne…

  3. krimiblogger #
    Oktober 13, 2012

    Sätze in Blogkritiken wie „… bedanke mich bei Verlag XY für das Rezensionsexemplar…“ finde ich sympathisch und durchaus hilfreich. Ob wirklich alle wissen, dass es so etwas wie Lese-/Rezensionsexemplare gibt? Es sind ja nicht alle Leser so in dieser Bücherwelt verankert.

    Mehr Transparenz erfreut mich, wenn etwa ein Rezensent kurz mitteilt, dass er/sie mit dem Autor bekannt/befreundet/verbandelt ist. Natürlich hat jede Transparenz ihre Grenzen, die Farbe der Unterwäsche, die der Rezensent beim Verfassen seiner Kritik trug, will ich natürlich nicht wissen…

    Ein möglichlicher Nebeneffekt der Rezensionsexemplarkultur mag ein, dass die Kritiker/Blogger sich zu stark auf die Neuerscheinungen konzentiert, die Rückschau, das Wiederlesen „alter“ Literatur findet viel zu wenig statt. Immer wieder die Klage, dass gerade die Blogger ja keine Bezüge herstellen können, keine Literaturgeschichte im Kopf haben. Das wird zu wenig gepflegt und gefördert (ja, ja, ich weiß, bei Dir, lieber dpr, renne ich da offene Türen ein).

    Bei der zweiten Frage kann ich Dir nur zustimmen, meine ausortierten Rezensionsexemplare wandern mittlerweile zu Oxfam, früher habe ich sie an Bekannte verschenkt. Nett ist ja auch das Aussetzen von Büchern.

    Sonnige Grüße
    Ludger

  4. Oktober 13, 2012

    Zu beiden Fragen ein nein von mir. Die meisten Bücher, die ich bespreche, sind Rezensionsexemplare. Beeinflusst es mein Urteil, dass ich die Bücher nicht mit Geld bezahlt habe? Nein. Fühle ich mich dadurch Verlagen verpflichtet? Verpflichtet, das Buch zu besprechen, ja, nicht, es auch zu loben oder irgendwie positiv hervorzuheben.

    Den von Dir angesprochenen Nebeneffekt beobachte ich bei mir auch. Gerade im Frühjahr und Herbst bespreche ich sehr viele Neuerscheinungen. Das hat allerdings weniger mit Rezensionsexemplaren zu tun, die es oft noch von älteren Titeln gibt, sondern ist bei mir zum einen berufsbedingt – und zum anderen bin ich durchaus anfällig für das Lob aktueller Titel von geschätzten Kollegen.

    Und Rezensionsexemplare zu verkaufen ist schlichtweg eine Frechheit.

  5. krimiblogger #
    Oktober 14, 2012

    Bei dem Lob aktueller Titel durch andere Kritiker/Blogger geht es mir ähnlich. Die bringen meine Lesepläne immer wieder durcheinander.

    Liebe Grüße am Sonntag!

  6. dpr #
    Oktober 15, 2012

    Selbst wenn ich mir Rezensionsexemplare anfordere, ist das noch lange keine Garantie, dass ich die Bücher auch bespreche (und schon gar keine, dass ich sie positiv bespreche…). Man sollte den Leuten schon sagen, dass wir ja im Regelfall kein Honorar für eine Rezi erhalten (okay, ich krieg ein kleines bei der Krimicouch, aber das ist eher symbolisch…). Sprich: Ich opfere schlimmstenfalls einige Stunden meines Lebens für ein Buch, das mir nichts zu sagen hat, setze mich hin und schreibe etwas dazu – und das alles für den Gegenwert von drei, vier Bieren, den „Warenwert“ des Buches nämlich. So entsteht kein Abhängigkeits- und Dankbarkeitsverhältnis zu Verlagen…

    bye
    dpr

  7. krimiblogger #
    Oktober 15, 2012

    Stimmt natürlich, lieber dpr. Das ist ein schlüssige Rechnung. Für professionelle Literaturkritiker, die ja laut Denis Scheck die Krone der Schöpfung sind (siehe http://krmb.de/39b ) geht diese Rechnung allerdings nicht auf.
    Liebe Grüße
    Ludger

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