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„Ansonsten müssen wir uns einfach was einfallen lassen, damit die Leute Geld für unsere Ergüsse ausgeben.“

dpr reagiert mit einem knackigen Blogeintrag zum Thema Urheberrecht. Kaum sind die ersten Proteste gegen ACTA verklungen, wachen auch die organisierten Krimischreiber auf und versuchen mit ihrem „Syndikat“ so etwas wie eine Kampagne zu fahren: „Ja zum Urheberrecht“. Wie gewohnt von diesen Damen und Herren eher dilettantisch und zum Fremdschämen.

Da wird von „Bestrebungen von Politikern, wie etwa aus den Reihen der Piraten und dem Bündnis 90/Die Grünen, aber auch anderer Parteien, die das geltende Urheberrecht schwächen wollen“ (Zitat, nur damit mir hier keine Urheberrechtsverletzung vorgeworfen wird) schwadroniert. Klartext (Wer hat das gesagt? Was hat er/sie gefordert?) und differenziertere Diskussion war ja noch die Stärke dieser Vereinigung, dafür werden bei Facebook – einem der schlimmsten Urheberrechtsverletzer im Netzbunte Button verteilt. Die Gefahren, die auch für Autoren von ACTA ausgehen, werden offenbar einfach unter den Tisch gekehrt.

Um nicht missverstanden zu werden: Ja, Autoren sollen für ihre Leistung entsprechen entlohnt werden, ja, sie sollen damit auch Geld verdienen (einen Sicherheitsanspruch gibt’s natürlich nicht) und ihre geistige Leistung soll entlohnt werden. Nur funktioniert das nicht mehr so wie früher. Und ob sich die Autoren, die ihre Facebook-Timeline vollknallen mit Links zu ihren selbsterstellten E-books (natürlich DRM-geschützt, damit Leser sie nicht weiterverleihen können), so nicht ins eigene Fleisch schneiden? Ihr wollt gelesen und gekauft werden? Dann lasst Euch was einfallen!

Zur Differenzierung und zur Diskussion empfehle ich den Artikel Das Unbehagen am Copyright von Joachim Güntner – veröffentlicht bei nzz.ch. Einfache Antworten gibt es nicht, notwendig sind Überlegungen, wie wir – Leser, Autoren und Verlage – in Zukunft miteinander umgehen wollen. Dazu gehören auch die Fragen, wie teuer E-Books seien sollen, wer kann sich Bücher überhaupt noch leisten, wem darf ich was leihen, wovon darf ich was kopieren? Blöde Button ersetzen keine Diskussion und Lösungen bieten sie erst recht nicht.

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Kommentare & Reaktionen

4 Kommentare

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  1. Stefan #
    Februar 29, 2012

    Ich finde die Aktion gut. Zum „Fremdschämen“ waren eher die Anti-Acta-Proteste der vergangenen Wochen.

    Dass Piraten & Co das Urheberrecht erheblich schwächen wollen, haben sie ja nun wirklich mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht (Stichwort: Legalisierung von Privatkopien). Auf dieser Basis kann es aus meiner Sicht keine Diskussion geben.

  2. krimiblogger #
    Februar 29, 2012

    Na, dann hoffe ich für Sie, lieber Stefan, dass Sie keine Bildchen bei Facebook geteilt haben, sich keine Videos bei YouTube anschauen und hoffentlich noch nie in Ihrem Leben Zeitungsartikel oder Buchseiten kopiert haben. Hoffentlich stehen in Ihren Regalen auch keine kopierten CDs oder DVDs. Denn dann könnten Sie möglicherweise ein Verbrecher sein.

    Wenn ACTA kommt, dann viel Freude in einem Netz, dass den Namen nicht mehr verdient. Und mir sind friedlich protestierende, junge Menschen lieber, als Krimiautoren, die glauben, mit einem Button einer komplizierten Diskussion aus dem Weg gehen zu können.

  3. Stefan #
    Februar 29, 2012

    Ob mit einem Button oder einer lustigen Maske – wie man seiner Meinung Ausdruck verleiht, ist doch zweitranging. Da können Sie auch die ganzen Anti-Atomkraft-Sticker verteufeln. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass viele der Acta-Protestierer selbst nicht so wirklich wussten, wogegen sie eigentlich protestieren.

    Bei facebook bin ich nicht und bei youtube war ich in meinem Leben vielleicht ein halbes Dutzend Mal. Ob Sie es glauben oder nicht: Man kann auch sehr gut ohne ständige Präsenz im „Netz“ existieren.

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