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»Weil “Krimis” durch Überproduktion und oft alberne Selbstdarstellung sich selbst marginalisieren, werden die Plätze im Print rarer und die Krimi-Communitys im Netz letztlich nur Fanbase.«

Thomas Wörtche in seinem Artikel “Fromme Argumente” bei boersenblatt.net.

Einer der dümmsten und arrogantesten Sätze, die ich im Zusammenhang mit der „Diskussion“ um „Kriminalliteratur“ seit längerer Zeit gelesen habe. Welche Verachtung spricht aus diesem Satz gegen über der „Fanbase“. Hat Herr Wörtche – „Krimiexperte“ – bis heute nicht begriffen, dass jede Art von Genreliteratur vor allem Fanliteratur ist? Dass es die Fans waren und sind, die diese Literatur tragen, kaufen, fördern, über sie diskutieren. Sie sind es, die den literarischen Diskurs – in Foren, in Blogs – führen. Was auf dubiosen und arg geschmäcklerischen Bestenlisten selbsternannter Kritiker stattfindet, interessiert Fans nur, wenn es denn wirklich gute Krimis sind.

Und bei seinem Blick auf die immer rarer werdenden Plätze im Print hat Herr Wörtche wohl das Fernglas verkehrt herum gehalten: Krimi hat so gut wie nie in der deutschsprachigen Printlandschaft ernsthaft stattgefunden. Erst die einsetzende Begeisterung und Beschäftigung der Fans im Netz Ende der 1990er Jahre hat dazu geführt, dass Zeitungsredakteure – nach einer Ewigkeit – auf diesen Zug aufgesprungen sind. Aber jetzt, wo Print stirbt und Feuilletonisten sich sowieso ihre „Skandale“ lieber selbst schreiben, rennen diese Kritiker ins Netz und wollen dort den Fans vorschreiben, was und wie sie Krimis zu lesen haben. Noch alberner wird das alles, wenn man sieht, dass solche Krimikritiker es bis heute nicht geschafft haben, eine eigene, spezifische Literaturkritik für das, was wir alle Krimi nennen, zu entwickeln. Da wird Kriminalliteratur mit Kriterien bewertet („Don Winslow ist der neue Tolstoi“), die an der Eigenart der Genreliteratur völlig vorbei gehen.

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Kommentare & Reaktionen

2 Kommentare

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  1. Januar 10, 2013

    Miststück des Tages: Thomas Wörtches Verachtung für die Krimifans.
    http://t.co/UBtAWSga
    http://t.co/q8tz4Pqq

  2. Januar 10, 2013

    Miststück des Tages: Thomas Wörtches Verachtung für die Krimifans http://t.co/ANzDDt1N

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